Detlef Spötter


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Persönliches

Geboren wurde ich 1962 in Hameln, wobei meine Wurzeln weder auf das taube Mädchen noch auf den lahmen Jungen zurückreichen, die dem Rattenfänger nicht folgen konnten, sondern an die Nordsee, die Ostsee und nach Dresden.

Nach einer kurzen und frühen Phase, in der ich ins Auge fasste, von Beruf Apfelsinenmacher zu werden, kanalisierte sich mein Streben schnell in Richtung der Ingenieurswissenschaften, ganz nach dem Vorbild meines Vaters, meiner Mutter, ihres Vaters und zweier Onkel. Meine Legosteine reizte ich aus bis knapp an die Bruchlast. Sobald ich lesen konnte, verschlang ich Bücher.

Zum Schreiben brauchte ich jedoch einen massiven Anstoß. Meine Mutter hatte immer ihre liebe Mühe, mich dazu zu bewegen, meine Weihnachts- und Geburtstagspost an die Großmütter, Onkel und Tanten in Angriff zu nehmen, aber wenn die Tinte dann mal floss, wurden in der Regel lange Briefe daraus.

Kurz vor meinem achten Geburtstag zogen wir nach Bayern um, in ein Dorf eine halbe S-Bahnstunde nördlich von München. In der Schule entdeckte ich meine Liebe zu den  Fremdsprachen. 

 

Künstlerischer Werdegang

Im Anschluss an mein Ingenieurstudium entstand auch mein erstes literarisches Werk, eine Übersetzung der Erzählung "El desafío" (Die Herausforderung) von Mario Vargas LLosa aus dem Spanischen. Bedauerlicherweise habe ich es der Öffentlichkeit bislang vorenthalten.

Die Übersetzung hatte den Vorteil, dass ich mir die Geschichte nicht ausdenken musste, dass ich aber die deutsche Sprache an sich, und mein Sprachvermögen im Besonderen, in alle Tiefen ausloten konnte, immer auf der Suche nicht nach irgendeiner Übersetzung, sondern nach DEM Ausdruck, der den Klang und den Geschmack und den Geruch des spanischen Originals am besten traf.

 

Vor, während und nach dem Studium bin ich viel und weit gereist, und hatte Lateinamerika als die Region auserkoren, in der ich später einmal einige Berufsjahre verbringen wollte.

Mit diesem Vorsatz fest im Sinn habe ich bei der Firma Bosch angefangen, und vier Jahre später ging ich für Bosch für sieben Jahre nach Mexiko, wo ich dann, gleich am Anfang, auch meine Frau kennen gelernt habe.

Bei der Rückkehr führte uns das Schicksal 1999 nach Bühl, wofür ihm (dem Schicksal) unser größter Dank gebührt.

 

Wann fängt er denn nun endlich richtig an zu schreiben, werden Sie vielleicht fragen. 2007 ging es los. Ich hatte Jean-Philippe Devise kennengelernt, der im Verlag seiner Frau schon ein Dutzend Bücher verlegt hatte. Mein Buch "Reportage vom Grunde des Ozeans" hat den Autorenpool dieses Verlages glatt verdoppelt. Jean-Philippe hatte viele wertvolle Tipps für mich und fragte mich ständig, wann er denn das nächste Kapitel zum Lesen haben konnte.

 

Erste Werke

Der richtige Anstoß zum Schreiben kam unvermittelt. Eines Tages erinnerte ich mich daran, dass mir während meines Studiums einmal aufgefallen war, dass man Luft so stark verdichten kann, dass sie schwerer wird als Wasser. Und es gibt tatsächlich Wassertiefen auf der Erde, in denen Luftblasen nach unten sinken. Ich beschloss, darüber eine Geschichte zu schreiben. Über eine Forschungsstation in einem Luftsee am Grunde des Ozeans. Eine Kurzgeschichte vielleicht, etwas Längeres möglicherweise. Am Ende wurde es ein kleiner Roman. 

 

Als Journalist würde ich dort hinunter fahren und den Wissenschaftlern bei der Arbeit zusehen und bei ihrem erstaunlichen Alltag. Und dann sog mich die Geschichte in die Tiefe. Aus Romanfiguren wurden Menschen, die von selbst zu agieren begannen, die ihre netten Seiten und ihre Macken offenbarten, bis zu Abgründen, von denen ich nie hatte wissen wollen. Die nach Dingen forschten, die mir vorher nicht im Traum eingefallen wären. Und dann die Rückreise! Sie wissen sicher, dass ein Taucher bei der Dekompression nur ganz langsam und schrittweise auftauchen darf. Wenn er nun aus 8000 Metern Tiefe kommt, dauert das natürlich lange, bei mir eine ganze Woche. Und die verbringt man zu dritt in einer Tauchkugel, zum Nichtstun verdammt. Nie hätte ich gedacht, dass ein Drittel eines Romans allein davon handeln kann. Als das Buch fertig war, war ich fest davon überzeugt, alles am eigenen Leibe erlebt zu haben.
Dieser Roman hatte den grandiosen Vorteil, dass ich ihn mir auf Basis meiner beruflichen Kenntnisse, meiner soliden Halbbildung und einer physikalischen Formelsammlung vollständig aus den Fingern saugen konnte, ohne den Fachleuten unter meinen Lesern Ansatzpunkte zu schnöder Kritik zu bieten, zumindest nicht über das Maß hinaus, das ich mit Hinweis auf die dichterische Freiheit hinwegbügeln kann.

 

Mein nächstes Projekt ist dort verwundbarer: Die Geschichte soll im antiken Ostia spielen, der Hafenstadt des alten Rom. Mehr wird noch nicht verraten. Hier werde ich mich aber bei den Fakten etwas wärmer anziehen müssen, damit mir nicht jeder Lateinlehrer abschätzend die Augenbraue hochzieht.

Bedauerlicherweise ist die Geschichte nach Erfolg versprechenden Anfängen auf ähnliche Weise versandet wie der Hafen besagter antiker Stadt. Aber vielleicht werde ich sie ja noch einmal ausbaggern.

 

Poetry Slam 

Inzwischen bin ich Mitglied des AutorenNetzwerks Ortenau-Elsass und habe erfahren, wie viel Spaß es macht, Geschichten vor Publikum vorzutragen und dabei auch mal in unkartierte Gewässer vorzustoßen.

 

Bevor wir mit unseren Netzwerk-Autoren unseren ersten Poetry Slam im inzwischen leider geschlossenen „Grünen Baum“ in Hatzenweier organisierten, mussten zwei Kolleginnen und ich erst einmal zu Studienzwecken einen solchen als Zuschauer besuchen, um heraus zu finden, was das überhaupt war. Mir fiel die Doppelrolle zu als Conferencier und Combattant, und ich denke, dass wir alle einen Heidenspaß damit hatten.

Mein Beitrag waren Variationen über den „Lattenzaun“, ein Gedicht von Christian Morgenstern. Es bedarf allerdings eines robusten Selbstverständnisses als Autor, um hinzunehmen, dass das Publikum am Ende nicht nur höflich klatscht, sondern mit Lust am Scherbengericht Punkte verteilt oder auch nicht, während man als Autor das Beste gegeben hat, um ein fünfeinhalbminütiges Feuerwerk abzubrennen.

 

 

Dass dieser Poetry Slam nun jährlich stattfinden sollte und von mir erforderte, je zwei neue Stücke zu schreiben, die meinen eigenen Gütekriterien zu genügen hatten, setzte mich als Gelegenheitsautor mächtig unter Druck.

So entstand der „Poetry Slam des Schreckens“, der im klassischen Versmaß des Dystichons lustvoll den nicht weichen wollenden Albtraum von der krampfhaften Suche nach der zündenden Idee bis zum grandiosen Versagen auf der Bühne beschreibt.

Als beim Schreiben die Verse dann flossen, saß ich nach einer Dienstreise mit dem Laptop auf dem Schoß (daher der Name Laptop) am Flughafen und hätte glatt meinen Flug verpasst, wenn eine Angestellte der Fluggesellschaft mich nicht aufgesammelt und mich darauf hingewiesen hätte, dass sich die Nummer des Flugsteigs geändert hatte. 

Die dritte Ausgabe des Poetry Slam fiel dann Corona zum Opfer, was ich, wie ich zu meiner Schande gestehen muss, mit Erleichterung erfüllt hat, da ich noch keinen Plan hatte, wie ich meinen eigenen Ansprüchen wieder hätte Genüge tun können.

 

Auftritte und Experimente vor Kindern

Dann kamen die Auftritte vor Kindern.

Ich kramte noch einmal die „Reportage vom Grunde des Ozeans“ hervor und wählte eine Passage aus, die ich auch Kindern erzählen konnte. Dazu musste man aber ein paar physikalische Zusammenhänge verstehen, die mit dem Auftrieb zu tun haben, und um das zu illustrieren, führte ich einige Experimente mit heliumgefüllten Ballons vor, die den vom Autor so ersehnten Ausdruck des Erstaunens in die Augen der Zuschauer zauberten. 

Eine zweite derartige Veranstaltung fiel im Jahr darauf der Angst vor Corona zum Opfer.

 

Bauchreden mit dem Drachen Dragomir

Ich hatte mich inzwischen mit Hilfe von YouTube und meiner Handykamera im Selfiemodus zum Bauchredner weitergebildet. Der Weg zur Meisterschaft dauert natürlich etwas länger in diesem Metier, aber ich hoffte, dass meine Witze mir über gewisse handwerkliche Unzulänglichkeiten hinweghelfen würden.

Nachdem der Tag mit den Kindern ins Wasser gefallen war, durfte ich zumindest noch bei einer Veranstaltung für Erwachsene einspringen, habe den Text etwas angepasst und bin dort mit dem Drachen Dragomir vor maskenbewehrtem Publikum aufgetreten. Unter diesen Umständen konnte ich schwer ausmachen, ob die Leute wohl lächelten oder beim Gähnen aufpassten, dass das Kinn nicht allzu weit herunterfiel: Schwer zu sagen, ob sie meine Pointen genauso zum Totlachen fanden wie ich.

 

Brandaktuelles

 

Derzeit muss ich feststellen, dass ich mich in meiner gruseligen Phase befinde. Themen, an denen vielleicht auch Edgar Alan Poe Spaß gehabt hätte, ohne damit nahelegen zu wollen, dass ein Vergleich mit ihm über diese Tatsache hinausgehen könnte (ich bin, zum Beispiel, nicht tot).

2020 habe ich mit der Erzählung „Der Mann auf der Avocadoschale“ am Lore Perls Literaturwettbewerb unter dem Motto „Die Seele eine Wildnis“ teilgenommen, und ich schätze meine Erfolgsaussichten irgendwo zwischen Disqualifikation und erstem Preis ein. Wir werden sehen. Immerhin wird man mir nicht vorwerfen können, ich habe das Thema verfehlt: Das Motto des Wettbewerbs hätte auch der Titel meines Beitrags sein können.

Gegenwärtig entsteht die Erzählung „Der Herr der Gespinste“ von einem jungen Mann, der sich in Zeiten des Home-Office in einer Phantasiewelt verirrt.

Ich hoffe nur, dass sich die Bühnen bald wieder öffnen können und dass die Zuhörer Spaß daran haben werden, in die Abgründe des Schreckens zu blicken, die ich so lustvoll für sie aufgetan habe.

 

Veröffentlichung

2008  Reportage vom Grunde des Ozeans

          Science & Fiction, Eligia-Goroncy-Verlag

 




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